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Qualitätssaatgut aus Züchterhand

Mit Gründung des Domstiftes in Quedlinburg vor rund 1.000 Jahren wurden in den ausgedehnten stiftseigenen Gärten Blumen und Gemüse in größerem Umfang angebaut. Dazu gehörte auch die Saatgutproduktion, die durch die Lage der Felder im Regenschatten des Harzes begünstigt wurde.
Der Aufschwung Quedlinburgs als weltbedeutende Samenzüchterstadt erfolgte um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Gründung namhafter Firmen, die Zuckerrüben, verschiedene Gemüse- sowie zahlreiche Blumenarten züchterisch bearbeiteten. Zu diesen Firmen zählten u.a. die Gebrüder Dippe, Heinrich Mette, David Sachs, Samuel Lorenz Ziemann sowie viele kleinere Unternehmen, die mit ihren blühenden Feldern die Umgebung der Stadt prägten.
Die International Seeds Processing GmbH  geht in ihrem Ursprung auf die alten Quedlinburger Saatzuchtfirmen zurück. Unter der DDR-Regierung firmierten die Betriebe unter Deutsche Saatgutgesellschaft (DSG) und später als VEB Saat- und Pflanzgut für gartenbauliche Kulturpflanzenarten. Nach der Wende wurde die Firma privatisiert und neu organisiert. Seit einigen Jahren betreibt die ISP GmbH die Neu- und Erhaltungszüchtung sowie den Saat­gutverkauf für den Erwerbsgartenbau und den Großhandel.

Wie kommt das Saatgut in die Samentüte?
Zunächste wird die Samenträger ( die reifen Pflanzen) geerntet bzw. abgeschnitten und in der Trocknungshalle auf eine Trocknungsmaschine gelegt und mit warmes Luft ( überdimensionalen Föhn) getrocknet. Schließlich kommt das trockene Pflanzmaterial in große Leinensäcke und wird,  mit einem Dreschflegel, ausgedroschen,  wie beim Getreide.
Jetzt ist das Reinigen angesagt, denn mit Erde oder Stängel- und Blattresten können auch Krankheitserreger übertragen werden. Der erste Schritt in das Aussieben der groben Pflanzenreste.  Nachdem nun die Grobteile entfernt sind, beginnt die Feinarbeit mit Rütteln, Schütteln, Schwingen und Kreisen: Natürlich übernehmen heute spezielle Maschinen diese Aufgabe. Sie trennen durch das spezielle Gewicht die Spreu vom Weizen – pardon  - in diesem Fall vom Blumensamen. Doch bei International Seeds processing wird neben de modernen Technik die alte Kunst des Schwingens zur Samenreinigung gepflegt.  
Diese Methode erfordert etwas Geschick. Gut geeignet sind größere feinmaschige sogenannte "Schwungsiebe". Durch die Kunst des Schwingens, schwimmen nach kurzer die Pflanzenteile  an der Oberfläche und werden mit einer Gänse- oder Taubenfeder vorsichtig abgelesen werden. Noch mehr Geschick braucht man beim sogenannten abschwingen – eine Methode die bei sehr feinem Samen, wie bei unseren Bartnelken – eingesetzt wurde.  Hier kommt das Gemisch in eine sogenannte Schwingmole . In dieser Holzschale aus Pappelholz wird durch gekonnte stoßende Bewegungen der feine Samen von der Streu und von den feinen Erdpartikeln getrennt.
Spätestens jetzt wird einem bewusst, wieviel Arbeit in einem solchen Sack Saatgut steckt. Doch ist es noch nicht getan! Ein kleiner Teil des Saatgutes muss ins Labor, um sich dort einer Prüfung gemäß den Regeln des Internationalen Samen­prü­fungsverbandes zu unterziehen - . Die Keimfähigkeit des Saatgutes muss festgestellt werden.  Deshalb  werden für jede Stichprobe 100 Körner auf einer speziellen Anwuchsplatte ausgebracht, die in einen sogenannten Keimschrank zum Wachsen gebracht werden. Nach gewissen Zeiträumen , also nach 4 Tagen, dann nach 7 Tagen usw.  wird kontrolliert  wieviel Samen zu keimen begonnen haben.  Diese Keimlinge werden ausgezählt und geben somit  Auskunft über die Keimfähigkeit.
Die Keimfähigkeit muss mindestens 75 % betragen, doch meistens wird die 80% Marke überschritten.
Unser Saatgut wird nun in Samenbank gebracht. In diesen speziell klimatisierten Räumen lagern mehrere  100  Tonnen Saatgut – schließlich führt die ISP Internation Sees processing Gmbh  im Handelssortiment rund 200 Arten mit ca. 2000 Sorten.
Hier warten nun die Bartnelken bis sie vom Samengroßhändel geordert werden. Sobald die Bestellung eingegangen ist, wird das Saatgut in Orginal Leinen-Sack und in einer klimatisierten Box auf dem schnellsten und auf dem kühlsten Weg nach Miltenberg gebracht und  wird dort in den ebenfalls klimatisierten Lagerräumen eingelagert. Genau bei 10 Grad Celsius muss das Saatgut gelagert sein, damit es ja nicht zu keimen beginnt.
Nachdem im Stichprobenverfahren somals die Reinheit geprüft und die Keimfähigkeit  kontrolliert wurde, wird das Saatgut in einen riesigen Trichter gefüllt und von dort  - Anzahl - oder Grammgenau in die Tütchen abgepackt.
Diese Abfüllmaschine ist so konstruiert, dass jedes Tütchen absolut die selbe Samenmenge beinhaltet.
Auf den Samentütchen  sind nicht nur der Sortenname mit Bild zusehen, es stehen auch wichtige Hinweise für den Hobbygärtner drauf wie Aussaat- und Blühzeiten, Sorten- und Kulturbeschreibung mit Pflegetipps und vieles mehr.
Dieses spezielle Mikroklima in dem Tütchen sorgt dafür, dass eine Keimgarantie von bis zu drei Jahren gewährt wird – natürlich in Abhängigkeit der Pflanzensorte.  Und von Miltenberg aus geht es nun in die ganze Welt – und steht uns Pünktlich zu den Aussaezeiten im Februar und März stehen diese Samentütchen  im Handel  zur Verfügung.
Und so wachsen in unseren Gärten Quedlinburger Schönheiten oder Vitaminspender!

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